Hindrichs & Rommel

Büro für Verfahrenspflege und Pflegefachberatung


Werdenfelser Weg
&
Werdenfelser Werte

Alternativen zu freiheitsentziehend


Freiheitsentziehende Maßnahmen gehören zum Alltag in stationären Langzeitpflege- und Betreuungseinrichtungen. Ihre Anwendung wird in den meisten Fällen mit der Begründung durchgeführt, den Pflegebedürftigen vor Gefahren von Verletzungen und Stürzen zu schützen. Das Recht auf Selbstbestimmung gilt ebenso für pflegebedürftige Personen wie für jeden anderen Menschen. Das Sturzrisiko gehört ebenso im Alter zu einem natürlichen Lebensrisiko, dass nur in einem geringen Umfang zu beeinflussen ist.


Oftmals werden die Interessen und Wünsche der Betroffene nicht ausreichend hinterfragen, werden Wünsche von Angehörigen und Betreuern zu hohe Bedeutung gegeben und mitunter der Weg des geringsten Wiederstandes gegangen. Dabei ist die Motivation die Betroffenen vor Gefahren zu schützen und ihre Unversehrtheit zu erhalten.

Es ist an der Zeit, das ein Umdenken in den Einrichtungen stattfindet, Leitungen und Mitarbeiter in der Pflege und Betreuung bereit sind sich auseinander zu setzen, mit Angehörigen, Betreuern und Ärzten. Es gibt in Deutschland viele gute Beispiele von Einrichtungen und deren Konzepten, die gänzlich auf freiheitsentziehende Maßnahmen verzichten. Es geht hier um Menschenwürde und das höchste Gut, die Freiheit. Wenn wir die Wünsche und Bedürfnisse der uns in den Einrichtungen anvertrauten Menschen mehr in den Vordergrund stellen, ihnen zuhören und sie begleiten, sollte es uns gelingen, der Freiheit wieder mehr Raum zu geben.


Mit dem Buch "Alternativen zu freiheitseinschränkenden Maßnahmen" möchten wir Mitarbeitern in Pflege und Betreuung unterstützen ihr Wissen im Bereich von Bewegungs- und freiheitseinschränkenden zu vertiefen und ihnen präventive und alternative Maßnahmen aufzuzeigen. Damit verbunden die Hoffnung für die Zukunft für ein selbstbewusstes pflegefachliches Handeln im Interesse der Betroffenen, für mehr Lebensqualität und Freiheit in der Langzeitpflege.

Viele Gerichte in Deutschland haben erkannt, dass der Werdenfelser Weg eine Brücke sein kann, zwischen der Gerichtsbarkeit als genehmigendes Organ, dem Verfahrenspfleger, der durch seine Erfahrungen zu Alternativen berät und den Einrichtungen, Angehörigen und Betroffenen.

Gemeinsam sollte es uns gelingen, die Anwendung von Maßnahmen der Freiheitsentziehung genau zu überdenken, Alternativen aus zu probieren, auch wenn uns diese manchmal sehr fragwürdig erscheinen sollten.

Angesichts der steigenden Zahl der Pflegebedürftigen und vor allem an Demenz erkrankten Menschen, die in den nächsten Jahren in stationären Wohnformen versorgt werden müssen, sollten Konzepte weiterentwickelt werden, mit dem Ziel die freie Entfaltung der Persönlichkeit an erster Stelle zu sehen.

Wir zeigen Ihnen in unserem Buch, was Sie bei der Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen berücksichtigen müssen. Schildern den Weg von der Antragstellung bis zur Genehmigung einer Maßnahme. Aber vor allem wollen wir die Gefahren beleuchten, die durch die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen entstehen können.

Unsere präventiven und alternativen Vorschläge sollen Sie inspirieren zum Nachdenken, Diskutieren im Team und ausprobieren.


Alternativen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen

Sabine Hindrichs, Ellen Fährmann

Pflegefachliche und rechtliche Grundlagen zur Fixierungsvermeidung

Erhaltung und Förderung der Mobilität, Sturzprophylaxe, alternative Hilfsmittel

Walhalla Verlag

ISBN:978-3-8029-7536-3

Kundenservice@WALHALLA.de 

Konzept des Werdenfelser Weges


Wenn das Wissen um die pflegerischen Möglichkeiten zur Vermeidung von Fixierungen bei Pflegefachleuten ständig wächst, aber es nur langsam bei den Menschen ankommt, so liegt das stark an dem Klima eines zu starren Sicherheitsdenkens in der Pflege. Ein Klimawandel bei Fixierungsfragen in der Pflege ist erforderlich und gerade wir sehen uns von behördlicher Seite, als Juristen am Amtsgericht und damit befasste Behördenmitarbeiter des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen in einer zentralen Verantwortung.

Dies war die Ausgangsposition, in der aus einer Zusammenarbeit der Vormundschaftsrichter des Amtsgerichts Garmisch-Partenkirchen, der Mitarbeiter der Betreuungsstelle und der Heimaufsicht des Landkreises Garmisch-Partenkirchen sich im Frühjahr 2007 eine gemeinsame Initiative entwickelt hat, die sich nun "Werdenfelser Weg" nennt.

Die Idee des "Werdenfelser Weges" wird in ihrem Kern umgesetzt durch den Einsatz spezieller gerichtlich und behördlich geschulter Verfahrenspfleger im vormundschaftsgerichtlichen Genehmigungsverfahren, die als Interessenvertreter der einzelnen pflegebedürftigen Person mit pflegefachlichem Wissen mit allen Beteiligten abklären, ob alle präventiven und Alternativen Maßnahmen für eine Fixierungen ausgeschöpft sind, und auf eine gemeinsame Beurteilung der Risiken hinarbeiten, um Fixierungen weitest möglich zu vermeiden und Pflegenden Handlungssicherheit in haftungsrechtlicher Hinsicht zu vermitteln, gerade auch für Fälle, in denen vor dem Hintergrund von Menschenwürde und Selbstbestimmung hinnehmbare Risiken verbleiben.




Grundidee

Wir machen Pflegeerfahrene zu Verfahrenspflegern als Fürsprecher der Betroffenen!


Herr Dr. Kirsch und Herr Wassermann identifizierten als zentrales Problem, das die zumeist unbegründete Angst der Einrichtungen vor späteren Regressansprüchen von Krankenkassen für Behandlungskosten bei Nichtfixierung allgegenwärtig war. Alle fachlichen Überlegungen der Pflegenden wurden davon immer wieder überlagert. Ein weiteres Problem stellen die drängende besorgten Angehörige mit ihren Ängsten vor Verletzungen und den Anspruch auf vermeintlich sichere Pflegesituationen dar, die von negativen Begleiterscheinungen und fixierungskausalen Risiken keine Kenntnisse haben.

Der Ansatz: Spezialisierte Verfahrenspfleger mit pflegefachlichem Grundlagenwissen für das gerichtliche Genehmigungsverfahren von Fixierungen fachrechtlich fortzubilden, so dass sie über eine Kombination von pflegefachlichem Wissen über Vermeidungsstrategien und gehobenem juristischen Informationsstand über die rechtlichen Kriterien zu diesem Thema verfügen. Dieser Verfahrenspfleger diskutiert im gerichtlichen Auftrag jeden Fixierungsfall individuell und geht über den Zeitraum mehrerer Wochen Alternativüberlegungen gemeinsam mit der Einrichtung und den Angehörigen/Betreuern durch, im Einzelfall regt er auch Erprobungen von Alternativmaßnahmen an.


Herr Dr. Sebastian Kirsch und Herr Josef Wassermann haben in vielen Landkreisen Hilfestellungen in der Startphase gegeben, bereits telefonisch lassen sich viele Einzelfragen klären. Daher stehen beiden allen Interessierten Richterkollegen an Ansprechpartner zur Verfügung.

Ansprechpartner beim Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen

  • Dr. Sebastian Kirsch 08821/928-140
  • Ansprechpartner beim Landratsamt Garmisch-Partenkirchen
  • Josef Wassermann 08821/751-259
Die Selbstverpflichtungserklärung 
auf der Grundlage der Werdenfelser Werte

Die Selbstverpflichtungserklärung nimmt die herausragende Bedeutung der Mobilität im Alter auf und betont die aktivierende Pflege und dass eine Einschränkung der Mobilität nur allerletzte Möglichkeit sein kann. Sie stellt die Würde in den Mittelpunkt der Arbeit. Sie betont eine Arbeitsweise individueller Lösungen, bei der die Individualität jedes Bewohners berücksichtigt werden soll. Sie enthält ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit und gemeinsamen Verantwortung bei Umsetzung des Ziels. Sie stellt die Bedeutung aktuellen Fachwissens und kompetenter Beratung sowie der bundesweiten Vernetzung klar. Sie betont die Bereitschaft, sich auf alle sinnvollen, möglichen und zumutbaren pflegerischen Alternativen einzulassen und Hilfsmittel bereitzuhalten und spricht sich gegen eine Fixierungsroutine aus.




Wir verpflichten uns auf die Werte des Werdenfelser Weges zur

Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen


Mobilität in jeder Lebenslage

Sie ist wichtig für das positive Erleben des Alters. Wir verpflichten uns zu einer aktivierenden Pflege und fördern den Bewegungswunsch jederzeit. Stürze gehören zum Lebensrisiko. Wir verwenden freiheitsentziehenden Schutzmaßnahmen nur als allerletzte Möglichkeit.


Würde und Freiheit unserer Bewohner

Sie fördern und zu achten steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Dem fühlen sich die Leitung des Hauses ebenso verpflichtet wie jeder einzelne Mitarbeiter.


Individualität jedes Bewohners

Wir beachten bei allen Maßnahmen die Wünsche und Bedürfnisse und nehmen dabei besonders auf die Lebensgeschichte, Befindlichkeiten und Gewohnheiten unserer Bewohner Rücksicht.


Gemeinsame Verantwortung

Wir verpflichten uns zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit unseren Bewohnern, Angehörigen, Bevollmächtigten, Betreuern, Ärzten, Behörden, Betreuungsgerichte und Verfahrenspflegern, um zur Vermeidung von Fixierung individuelle Entscheidung herbeizuführen und gemeinsam Verantwortung zu tragen.


Neuster Stand der Fachkunde

Wir bemühen uns um den neusten Stand medizinisch-pflegerischer Erkenntnisse. Wir beraten Angehörige und Betreuer und klären sie auf, um gemeinsam individuelle Lösungen zu finden. Wir sind bundesweit vernetzt und  helfen Anderen mit unserem Fachwissen und holen in schwierigen Fällen auch andere Meinungen ein.

Pflegerische Alternativen

Wir lassen uns auf alle sinnvollen, möglichen und zumutbaren pflegerischen Alternativen ein. Wir halten auch Hilfsmittel als Alternativen zur Vermeidung von Freiheitsentziehung bereit.


Ständige Selbstprüfung

Eine Fixierungssituation ist nie eine endgültige Lösung, wir prüfen jederzeit, ob sie wieder beendet werden kann.


Ort, Datum                                                                                 Einrichtung                                                                 Einrichtungsleitung

Werdenfels                                                                        Residenz Meeresblick                                                          Sabine Hindrichs


„Wer Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren“

                                                                                              Benjamin Franklin